Epigenetik: Dein Kind erbt mehr als eure Gene


Du kennst sicher solche Aussagen wie: „Die hat ja die gleichen blauen Augen wie die Mama!“ oder auch „Von mir hat er das aber nicht!!!“ (wenn Eltern empört darüber sind, dass ihr Sprößling etwas „Unartiges“ getan hat). Sind in beiden Fällen „die Gene“ am Werk?

Foto: Gisela Merkuur_pixabay
Was denkst du, welchen Einfluss haben deine Gene auf dein Leben? Und, was denkst du, wird per Ei- und Samenzelle eigentlich alles „weitergegeben“?

Ist dein Leben, spätere Erkrankungen oder dein „Schicksal“ (z.B. ob du „immer an fiese Chefs“ gerätst oder dich „in die falschen Männer verliebst“) vorher bestimmt?

In diesem Blog-Beitrag möchte ich dir die wichtigsten Erkenntnisse aus einem Vortrag über Epigenetik und meiner weiteren Beschäftigung mit diesem Thema, in kurzer knackiger Form vermitteln.

Was ist eigentlich Epigenetik?


Mit der Entschlüsselung des menschlichen Genoms, unseres inneren Bauplans, im Jahr 2003 im Humangenomprojekt, glaubte man nun endlich dem Geheimnis des menschlichen Seins auf die Spur zu kommen.

Man hoffte, nun werde man alle schlimmen Erkrankungen von Krebs bis Alzheimer entschlüsseln und heilen können. Die 
Forscher konnten damals erstmals und endlich z.B. das sogenannten „Brustkrebs-Gen“ identifizieren. Schnell stand man jedoch erstaunt vor der nächsten Frage: Wenn 10 Frauen das selbe Gen für Brustkrebs haben, warum bricht es aber „nur“ bei 5 Frauen aus? Was ist bei den anderen 5 Frauen anders? 
Warum haben eineiige Zwillinge mit dem 100% gleichen Gen-Code unterschiedliche Erkrankungen? Welche Macht haben die Gene tatsächlich?

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Mit diesen Fragen beschäftigt sich der noch recht junge Wissenschaftszweig Epigenetik. Epigenetik ist zusammengesetzt aus Epigenese (Entwicklung eines Organismus) und Genetik (Vererbung über die Gene) und erklärt, welchen immensen Einfluss die Umwelt darauf hat, welches Gen „ein“ oder „abgeschaltet“ wird. 
Allgemein wird geglaubt, dass ALLE Gene ständig "Ein" geschaltet sind. Das ist aber nicht so...
Einfach ist Epigenetik z.B. mit den Bienen zu erklären: allein die Ernährung bestimmt, ob aus einer Bienenlarve eine kleine unfruchtbare Arbeitsbiene oder eine große und fruchtbare Königin wird. Allein die Ernährung!!!! Und wir glauben zum Teil immer noch, dass es egal ist, was wir essen.

5 Fakten, die wirklich dein inneres "Drehbuch" bestimmen


Was bestimmt also unser Schicksal? Was bestimmt unser Aussehen? Was geben wir an unser Kind weiter? Habe ich meine Fruchtbarkeit von meinen Eltern „geerbt“?

Lange galt der Glaube, dass wir so etwas wie ein „Skript oder Drehbuch“ von unseren Eltern mitbekommen haben: 50% von der Mutter und 50% vom Vater. Einem „Skript“, dem wir unausweichlich folgen? Mittlerweile weiß man, unsere Umwelt hat entscheidenden Einfluß, ob wir unser genetisches Potential aktivieren oder eben nicht. Was meint denn in dem Zusammenhang „Umwelt“??

Die „Umwelt“ ist all das, was du dir als DEIN Lebensumfeld schaffst:
  1. Wie oft und wie bewegst du dich? "...Sport ist Mord? oder täglich 10.000 Schritte - du entscheidest.
  2. Wovon ernährst du dich? (Bio? Pflanzlich oder...egal, Hauptsache satt?)
  3. Welchen Umweltgiften (Toxinen, Feinstaub) bist du ausgesetzt? Zu den Giften zähle ich auch Strahlung und stark verarbeitete Lebensmittel z.B. gehärtete Fette und künstliche Aromen und Farbstoffe.
  4. Wie begegnest du deinem Alltags-Stress? Welche Form der Entspannung nutzt du? "Keine Zeit!" oder tägliche Routine?
  5. Welche Qualität haben deine wichtigen Beziehungen?
All das und auch deine Bildung, Religion, Erziehung, Arbeitsumfeld... alles ist dein Umfeld und beeinflusst, welches Gen „ein“ oder „abgeschaltet“ wird!


Foto: StockSnap_pixabay
Klar, deine Gene bestimmen immer noch, welche Augenfarbe du hast und welche Haarfarbe und ja, auch einige sogenannte monogene Erkrankungen. (Monogenetisch bedeutet, die Krankheit entsteht aufgrund des Defektes EINES Gens z.B. Trisomie 21 oder Mukoviszidose.) Die allermeisten Krankheiten wie Krebs, Diabetes, Alzheimer, Endometriose, Hashimoto etc. sind jedoch sogenannte komplexe Erkrankungen, an denen mehrer Tausend Gene beteiligt sind.

Was bedeutet Epigenetik für deinen Kinderwunsch?


Fakt ist, dass wir über die männliche Samenzelle und weibliche Eizelle noch MEHR Informationen weitergeben, als nur den Gencode! Wir geben auch eine Art „Anleitung“ zum Ablesen der Gene weiter. (Du kennst ja diese Aufbaupläne, wenn du bei Ikea ein Regal kaufst. Jeder benutzt es anders und manchmal bleiben auch ein paar Schrauben übrig.)

Prof. Johannes Huber beschreibt diese Weitergabe von Informationen, diese „Anleitung“, als „Epigenom“ und sagt: Das Epigenom ist ein Neuro-Archiv - quasi eine Bibliothek, in der Belastungen wie Stress, Hunger, Streit aber auch Freude abgelegt sind. Das entstehende Kind bekommt schon im Mutterleib, die epigenetische Färbung (also seine Anleitung zum Ablesen des Gen-Codes) beider Eltern mit und zusätzlich ist nun die Mutter 9 Monate die ultimative „Umwelt“ für ihr Baby: Ernährung, Liebe, Medikamente , Stress... alles Faktoren, die auf die Mutter wirken. Und somit wirken all diese Faktoren epigenetisch auf das Kind.


Foto: Tawny van Breda_pixabay
In der Schwangerschaft, im Mutterleib, reagiert das sich entwickelnde Gehirn des Kindes super sensibel auf seine Umwelt. Früher glaubte man, dass die „Plazenta-Schranke“ alles Toxische vom Kind fernhält – dem ist leider nicht so. Medikamente, Alkohol, Stresshormone wie Cortisol... alles kommt bei deinem Kind an!

ABER: zu wenig Stress und sich nur in „Watte packen“ während der Schwangerschaft ist auch schädlich, denn ein gewisses Grundmaß an Cortisol braucht dein Kind, um seine Zellen auf den gesunden „Stress-Sollwert“ zu prägen, damit die Zellen wissen, wann und wie sie mit Stress umgehen sollen.

Du siehst, es sind nicht „einfach“ nur die Gene, die du mittels Eizelle weitergibst, sondern darüber hinaus auch unzählige weitere „Informationen“, die du zum Beispiel über deine Form der Ernährung vor der Schwangerschaft eben auch mit vermittelst. 

Daher ist auch der Satz von Dr. Peter Spork bei Frauen mit Kinderwunsch (und in anderen Lebensphasen natürlich auch) sooo treffend:
Gesundheit ist kein Zufall und auch nicht statisch, sondern ein Prozess, den wir immer wieder beeinflussen können“. 
Und damit eben auch Fruchtbarkeit oder mentale Verfassung – Nichts IST für immer fest verankert. Wir können Einfluss nehmen. Du kannst Einfluss nehmen. Du bestimmst, was du epigenetisch an dein Kind vermittelst und dafür ist eben auch die Zeit vor und in der Schwangerschaft unglaublich wichtig!

Herzlichst, 
deine Kathrin



Wenn du dich mehr in das Thema einlesen willst (Buchempfehlung):

Liebe lässt sich vererben

Prof. Johannes Huber (Gynäkologischer Endokrinologe in Wien, auch als der "Hormonpapst" bekannt
) beschreibt wie der Lebensstil in der Schwangerschaft das werdende Baby beeinflusst.


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