PCO und Kinderwunsch? Hilfreiche Tipps & Infos

In meiner Praxis erlebe ich eine Zunahme an Frauen mit Kinderwunsch, die über ausbleibende Eisprünge und sehr lange Zyklen klagen und nicht selten schon die Diagnose Polyzystische Ovarien (PCO) mitbringen.

Was genau das Polyzystische Ovarien Syndrom ist und welche Ursachen vermutet werden können und was du selbst tun kannst, darum soll es in diesem Blogartikel gehen. Lass uns also vorne anfangen...


Was ist das PCO Syndrom?

Als Syndrom werden Erkrankungen bezeichnet, die sich wie ein Puzzlebild aus verschiedensten Einzelsymptome zusammensetzen. Das PCOS ist so ein Puzzle! 

Da sich ja gerne die Entdecker verewigen und den Entdeckungen ihren Namen geben, ist das PCOS auch als Stein-Leventhal-Syndrom bekannt. Das waren die beiden Herren aus Amerika, die 1935 diese Symptomensammlung erstmals als EINE Krankheitserscheinung zusammenfassten. Und ja, das war ein sehr wichtiger Meilenstein. Wenn man nur die einzelnen Symptome betrachtet wie zum Beispiel den Überschuß an männlichen Hormonen oder das zum Teil monatelange Ausbleiben der Regelblutung oder die Zystenbildung an den Eierstöcken oder nur die Eireifungsstörungen... dann muss man erstmal drauf kommen, dass das ALLES irgendwie ZUSAMMENGEHÖRT! Sonst doktort man an einzelnen Symptomen rum und sieht nicht das gesamte Krankheitsbild.


Die 10 häufigsten und auffälligsten Symptome des PCO Syndroms


Nicht immer ist das PCO "auf Anhieb" zu erkennen und es braucht eine fundierte Diagnostik einiger Blutwerte und auch dann kann nicht immer eine eindeutige Diagnose gestellt werden. Schauen wir uns mal die 10 häufigsten Symptome des PCO-Syndrom an:
  1. Verlängerte Zyklen (manchmal bleibt die Menstruation über Monate aus) dadurch kommt es zu sehr unregelmäßigen Eisprüngen.
  2. Zunahme an männlicher Behaarung, die besonders im Gesicht oder wenn Haare beginnen auf der Brust zu wachsen, Frauen viel Kummer bereitet. Das wird auch Hirsutismus genannt und hängt mit dem Überschuß männlicher Hormone zusammen.
  3. Häufig kommt es zu Haarausfall oder dünner werdendes Kopfhaar.
  4. Übermässige Talgproduktion der Haut, Unreinheiten bis Akne.
  5. Zuckerverwertungsstörung die zur Insulinsensitivität (das ist die Vorstufe der Insulinresistenz) und später Insulinresistenz der Zelle führt. Dadurch kommt es häufig im Verlauf zum...
  6. Übergewicht und Ausbildung einer diabetischen Stoffwechsellage bis Diabetes II.
  7. Übermäßige Hormonproduktion Es werden zum einen zu viele Östrogene gebildet (dadurch ist das Hormon der 2. Zyklushälfte, das Progesteron oft zu niedrig) und es gibt meist ein Überschuss an Androgenen, die wiederum zum Teil in Östrogene umgewandelt werden.
  8. Durch das hormonelle Durcheinander kommt es zu Eizellreifungsstörungen und die nur zum Teil gereiften Follikel stauen sich als Follikelzysten im Eiertock, im Ultraschall sieht das wie eine „Perlenkette“ aus.
  9. Das Anti-Müller-Hormon (AMH) ist meist erhöht: 5-15ng/ml (Detaillierte Infos zum Anti-Müller-Hormon findest du in meinem Post Keine Angst vorm AMH-Wert: Das Anti-Müller-Hormon bei Kinderwunsch).
  10. Es kann Bluthochdruck vorliegen und erhöhte Blutfettwerte.
Aufgrund der unregelmäßigen Eisprünge und der hormonellen Dysbalancen ist es eine der weitverbreiteten Uraschen für unerfüllten Kinderwunsch und die derzeit häufigste endokrinologische Störung, die die Fruchtbarkeit von Frauen massiv beeinträchtigt.

Nicht jede betroffene Frau hat ALLE Symptome sondern eher individuelle Kombinationen und Ausprägungen. 

Mir fällt auf, dass immer mehr Frauen ganz und gar nicht übergewichtig, sondern eher normalgewichtig oder sogar zierlich sind. Die dünner werdenden Haare sehe ich bei den meisten meiner Patientinnen ebenso wie die Insulinsensitivität oder Insulinresistenz.


Da die Diagnose PCO und die symptomatische Ausprägung so vielgestaltig sein kann, findet man auch sehr widersprüchliche Angaben zu der Frage: Wie viele Frauen sind eigentlich betroffen? Manche Studien sagen 3-4% andere Studien sagen, dass weltweit ca. 10% der Frauen im gebärfähigen Alter von PCO betroffen sind. Und ja, das ist echt viel!

Woher kommt das PCO – Die Suche nach den Ursachen

Wie bei allen komplexen Syndromen ist das nicht so einfach: Es gibt meist nie DIE EINE Ursache.

Die gängigste, und wie ich finde ungenaueste, Erklärung ist nach wie vor oft: Stoffwechselstörung mit einem Überschuss an männlichen Hormonen: Manche Quellen bezeichnen das vermehrte Vorliegen männlicher Hormone, die in Östrogene umgewandelt werden als Ursache ohne zu ergründen, woher der Überschuß männlicher Hormone kommt. Daher müssen andere Stoffwechselstörungen, wie Morbus Cushing (z.B. häufige Nebenwirkung wenn man lange Zeit Cortisonpräparate nehmen muss) ausgeschlossen werden.

Genetische Veranlagung z.B. gibt es das Androgenitale Syndrom bei dem es ebenfalls zu einem „Zuviel“ an männlichen Hormonen kommt was dann eben zum PCOS führen kann.

Insulinresistenz aufgrund von Übergewicht und erhöhten Blutfetten wird ebenfalls als verursachender Faktor angesehen. Da aber nicht alle Frauen übergewichtige sind, muss es zwangsläufig auch weitere Ursachen geben.

Sehr wahrscheinlich ist jedoch, dass unsere zuckerreiche und (Trans)fettreiche Ernährung ein Puzzleteil in der Entstehung des PCO ist.

Ich finde folgende Begründungen sehr sehr spannend!

Vitamin D-Mangel und in der Folge eine zystische Entartung der Ovarien (Eierstöcke). Bei Frauen mit PCOS liegt häufig ein gravierender Mangel an Vitamin D vor. Und ja, den sehe ich bisher bei ALLEN meiner Patientinnen mit PCO Syndrom.

Kleinsterreger sogenannte Mikroben wie z.B. Mycoplasmen oder Clamydien, die in und an den Zellen die Vitamin-D „Postkästen“, die sogenannte Rezeptoren besetzen, so dass kein Vitamin D andocken kann und dadurch die Erreger nicht vom Immunsystem als „Eindringling“ erkannt werden. Das kann zu sogenannten „stillen“ Infektionen (silent inflammation) führen. "Still" weil sie sehr unspezifische Symptome machen und mit den gängigen Bluttests nicht sofort sichtbar sind.

Aber auch eine gestörte Bakterien-Wohngemeinschaft im Darm, das sogenannte Mikrobiom kann aufgrund einer undichten Darmschleimhaut auch Leaky Gut genannt und der ins Blut gelangenden Stoffe (Toxine, Bakterien, unverdaute Nahrung) zu einer „Dauerentzündung“ führen, die wiederum vermehrt Vitamin D verbraucht. Das Mikrobiom des Darms ist maßgeblich verantwortlich für ein intaktes Immunsystem und hält uns eigentlich "fremde Eindringlinge" vom Leib. Ist das Mikrobiom jedoch gestört, können die Auswirkungen von Depression, über Allergien bis Übergewicht und chronisch entzündliche Darmerkrankungen reichen und wird auch mit PCO in Verbindung gebracht.


Was haben Umweltgifte mit PCO zu tun?

Seit neuestem werden auch folgende Befunde diskutiert:

Endokrine Disruptoren: Der Kontakt mit hormonell wirksamen Stoffen wie BPA, was in vielen Plastikprodukten enthalten war und immer noch ist, kann in der Schwangerschaft der Mutter bei dem sich im Mutterleib entwickelnden weiblichen Embryos zu endokrinen Störungen wie PCO führen. Das Syndrom mit all seinen Auffälligkeiten wird dann ja erst mit der Pubertät und im frühen Erwachsenenalter sichtbar - verursacht wurde es dann jedoch schon in der embryonalen Zeit.

Aber auch die Kleinkindphase ist für Umweltgifte (und das Entstehen von PCO) eine super sensible Phase. In der Säuglingszeit kann der Einfluss von hormonell wirksamen Chemikalien wie das oben genannte BPA (das bis 2011 in Babyfläschen enthalten war!!) zu endokrinologischen Störungen führen und somit PCO im späteren Leben begünstigen. 

Mit BPA kommt jede von uns in Kontakt, da es z.B. im Thermopapier der Kassenbons, Mikrowellengeschirr und sogar als Bestandteil von Zahnfüllungen enthalten ist.

Wie du siehst, ist es die Suche nach der EINEN Ursache schwierig. 

Ich halte ein Zusammenspiel von genetischer Veranlagung und Umwelteinflüssen zu denen auch Lebensstil, Darmgesundheit und der Kontakt zu giftigen Chemikalien (wie z.B. BPA) gehören, als Ursache für sehr wahrscheinlich.


Was bei Polyzystischen Ovarien hilft - Therapieoptionen

An eine wirksame Therapiemöglichkeit im Sinne von „Heilung“ glauben Mediziner nicht...sie versuchen die Symptome zu lindern. Daher sieht der schulmedizinische Ansatz meist eine Behandlung mit Hormonen z.B. Metformin zur Verringerung der Insulinresistenz vor oder es wird die „Pille“ verschrieben, um die männlichen Hormone in Schach zu halten. 

Zusätzlich werden manchmal auch entzündungshemmende Medikamente verschrieben, die die Ausschüttung der männlichen Hormone mindern sollen. Und es wird geraten Gewicht zu reduzieren, wenn die Frau übergewichtig ist. Hm, alles nicht so richtig befriedigend, zumindest nicht für Frauen mit Kinderwunsch, denn die Pille wollen die meisten auf gar keinen Fall. Bleibt Metformin und der Weg hormonellen Beeinflussung des Zyklusses und die künstliche Befruchtung.


Wie du dir bei PCO selbst helfen kannst - 5 wirksame Tipps


Ich vertrete den Ansatz, dass eine medizinische Kinderwunschbehandlung und alternativmedizinische Ansätze, die ihren Fokus eher auf die Lebensstilfaktoren legen sich nicht ausschließen müssen sondern eher sehr gut ergänzen können.

Meinen Kinderwunschfrauen gebe ich insbesondere folgende Basis-Empfehlungen, die natürlich im Einzelfall immer sehr individuell ausfallen:

1. Ernährung bei PCO - Wichtige Basics 

Auch wenn noch keine Insulinresistenz diagnostiziert worden ist, würde ich dir ans Herz legen, „einfache“ Kohlenhydrate stark einzuschränken. Also alle Weißmehlprodukte wie Brot, Brötchen, Backwaren vom Bäcker, weiße Nudeln, Reis, Süßigkeiten. 

Zu den „No Go`s“ gehören auch alle zuckerhaltigen Softgetränke wie Cola und Co. Ich habe tatsächlich Frauen, die zum Erstgespräch mit einer Light-Cola in der Hand kamen und glaubten, mit einem Zuckeraustauschstoff das Problem „Zucker“ gelöst zu haben. Leider nein!

Auch Obst enthält viele der kurzkettigen oder „einfachen“ Kohlenhydrate, jedoch bringt Obst auch Vitamine und Ballaststoffe mit und darf daher auch weiterhin auf deinem Tisch landen. Leider sind auch die Kartoffeln, die viel Gutes enthalten nicht zu empfehlen, da sie den Blutzuckerspiegel zu schnell zu stark ansteigen lassen. Und leider trifft das auch auf Reis zu. Ziel ist ein stabiler Blutzuckerspiegel und kein ständiges extremes Auf und Ab.

Lege dein Augenmerk verstärkt auf komplexe Kohlenhydrate am Morgen und am Mittag. Dazu eignen sich: Hülsenfrüchte wie Kichererbsen (daraus kannst du dir ein Hummus machen), Linsen, Kidneybohnen aber auch Vollkornbrot, Vollkornhafer- oder Vollkorndinkelflocken fürs Müsli, Nüsse, Gemüse. 

Am Abend solltest du komplett auf Kohlenhydrate verzichten. So bekommen deine Zellen wichtige Zeit für Regeneration und „Recycling“. Denn wenn deine Zelle keine Kohlenhydrate bekommt, „verbrennt“ sie ihre angelegten Notreserven. Gleichzeitig wird das Fett in der Leber und im Bauchfettgewebe, das ebenfalls Östrogene und Entzündungsstoffe produziert abgebaut. An dieses Fett vergreift sich der Körper erst, wenn du ihm die „schnellen Energielieferanten“ vorenthältst und nein, dafür muss man abends nicht hungrig ins Bett.

Achte auf genügend Eiweiße, denn die halten dich erstens länger satt und treiben zweitens deinen Blutzucker nicht in die Höhe. (Mit Ausnahme tierischer Eiweiße wie z.B. in Milch, was auch den Insulinspiegel fix steigen lässt.)

Wusstest du, dass es einen quasi ureigenen, uns innewohnenden „Eiweißhunger“ gibt? Studien haben ergeben, dass Menschen wenn sie alles futtern dürfen, solange weiter futtern, bis der „Eiweißhunger“ gestillt ist. Wenn also deine Ernährung WENIG Einweiße enthält und das ist bei Frauen leider oft der Fall, wie meine Praxiserfahrung zeigt, dann essen wir weiter ...auf der unbewussten Suche nach Eiweißen. Viele Sachen täuschen uns vor, dass sie Eiweiße enthalten z.B. alles Salzige und Herzhafte (deswegen kann man so schlecht die Finger aus der Chipstüte lassen,wenn man einmal angefangen hat).

Also schau, dass du echte Eiweiße zu JEDER Mahlzeit isst. Geeignet sind insbesondere pflanzliche Eiweiße (auch Proteine genannt).


Proteingehalt pro 100g
100g Sonnenblumenkerne enthalten ca. 22g Protein
100g Rindersteak enthalten ca. 23g (du siehst, in den kleinen Sonnenkernen steckt soviel Power wie in Fleisch!) einfach über den Salat streuen
100g Mandeln 21g
100g Quinoa 14g
100g Rote Linsen 25g

Auch im Gemüse stecken Proteine! Ich liebe z.B. Brokkoli (3,5g Protein/100g) und Champignons (3,1g Protein/100g) als Eiweißlieferanten. Also liefert eine kleine Gemüsepfanne (300g) mit Champis, Brokkoli und einem Esslöffel (ca.10g) Sonnenblumenkernen ca. 12g Protein.

Als Faustformel gilt: Du brauchst pro Kilogramm Körpergewicht ca. 1g Eiweiß/Protein pro Tag. Wenn du also 60kg wiegst, sind das 60g!!!

Gerade am Abend kannst du dich an pflanzlichen Eiweißen satt essen. Dafür eignen sich z.B. rote Linsen-Suppe oder eine bunte Gemüsepfanne mit Kichererbsen und Sonnenblumenkernen oder Falafel mit Hummus und gebratenen roten Zwiebeln.

Meide bei PCO Fruktose!! Jedes Zuckermolekül, egal woher es kommt, besteht aus Glukose und Fruktose: Die Fruktose wird in der Leber deponiert für „schlechte Zeiten“ und sofort in Fett umgewandelt. Fruktose ist, wie der Name sagt „Fruchtzucker“ und vor allem in Früchten enthalten. Nein, das heißt nicht, dass du kein Obst essen solltest. Obst ist super, denn es enthält nicht nur Antioxidantien, die du dringend brauchst sondern auch Vitamine, Mineralien und tolle Ballaststoffe für deine „Darm-Bewohner“. ABER: auf Fruchtsäfte und Smoothies, Marmeladen solltest du dringend verzichten!!

Gönne deinem Körper wichtige „Reparatur- und Regulationszeiten“. Es gibt einige interessante Studien, die belegen, dass Fasten einen günstigen Effekt auf PCO hat. 

Um nicht sofort ein ziemlich anstrengendes Heilfasten Programm zu beginnen (das natürlich sehr gut auf die Harmonisierung deiner Hormone wirken kann), kannst du auch ein sogenanntes Intervallfasten in deinen Alltag einbauen:
  • Entweder indem du an einem Tag in der Woche fast nichts isst, aber Tee und Wasser trinkst und nicht mehr als 500 kcal zu dir nimmst z.B. in Form einer Gemüsebrühe.
  • Oder du hältst dich an die 8:16 Regel. Das bedeutet: 8 Stunden essen und 16h fasten. Im Alltag bedeutet das für dich: du darfst 8 Stunden essen. Wenn man das Frühstück weglässt, klappt das für die meisten ganz gut. Und nein, nicht sofort jeden Tag. Wenn dir das Intervallfasten an 2 Tagen in der Woche gelingt, ist es schon ein wichtiger Heilimpuls in die richtige Richtung.

Meide unbedingt „Transfette“ - das sind Fette, die in ihrer Struktur verändert worden sind um z.B. streichfähig zu sein. Ein Beispiel: Sonnenblumenöl ist normalerweise flüssig, um daraus Magarine zu machen werden die Fettmoleküle chemisch „umgebaut“ damit sie streichfähig sind. Transfette stecken in allen Industrieprodukten wie Chips, Fertigpizza oder (industriellem) Gebäck. Diese Transfette sind deinem Körper suspekt und sie wirken eher schädlich, da sie Entzündungen anheizen.


Da wir die oben beschriebenen „silent inflammations“ nicht spüren, aber diese bei PCO und bei Übergewicht mit sehr großer Wahrscheinlichkeit trotzdem vorhanden sind, solltest du viele entzündungshemmende Nahrungsmittel verwenden. Zu den Entzündungshemmern gehören Antioxidantien wie Flavonoide, Vitamin C und E sowie Vitamin D.

Antioxidantien finden sich eigentlich in allen Gemüsen, Beeren, Nüssen aber auch im Kaffee. Außerdem hemmen Vitamin C und Flavonoide die Östrogenproduktion, die es bei PCO im Übermass gibt. Flavonoide sind die Farbstoffe, die die Blaubeere blau und die rote Beete rot und die Möhren orange machen.

Als Entzündungshemmer sehr weit vorn ist auch unbedingt das Omega 3 zu nennen, das du z.B. in Leinsamen oder fetten (Kaltwasser)Fisch wie Makrele, Lachs und Hering. Der Thunfisch gehört zwar auch dazu, aber da das ein sehr großer Fisch ist, der viele kleine Fische gefressen hat, enthält Thunfisch oft zuviel Quecksilber. 

Falls du vegan lebst – die Urquelle von Omega 3 sind Pflanzen: Leinöl, Leinsamen, Hanf, Walnüsse und Algen aus denen es auch „Omega-3 Algenöl-Kapseln“ gibt.

Und was ist mit Milch? Ich empfehle Frauen mit Kinderwunsch für die Zeit des Kinderwunsches auf Milch im Kaffee und Käse zu verzichten, da sie die Leber anregen einen „Wachstumsfaktor“ herzustellen, das IGF-1. Dieser „Wachstumsfaktor“ der eben auch noch „Insulin ähnlich“ ist, heizt Entzündungen an und hält die bereits vorhandene Insulinresistenz der Zellen aufrecht. Ab und zu erlaubt ist Naturjoghurt, da dieser fermentiert ist, lebende Bakterienkulturen enthält und somit deine Darmgesundheit hilfreich unterstützt.


Zusammengefasst sollte deine Ernährung also...

💚 sehr pflanzenreich sein,

💚 weniger Kohlenhydrate (in der Tendenz „low carb“) und

💚 ausreichend pflanzliche Eiweiße enthalten, sowie aus

💚 guten pflanzlichen Fetten (Leinöl, Olivenöl) bestehen.

2. Geduld - Du brauchst die mentale Kraft des Langstreckenläufers

Ich warne in der Regel davor: ALLES auf EINMAL umsetzen zu wollen, denn das hält man meist nicht lange durch, lässt es sein und ist enttäuscht „weil es vermeintlich nicht klappt“. 

In der Therapie von PCO braucht es jedoch die mentale Kraft für die Langstrecke. Du brauchst Geduld! Daher beginne mit kleinen Veränderungen und wenn die gut über 4 Wochen etabliert sind. Dann kannst du weitere Veränderungen dazu nehmen. 


3. Nahrungsergänzungsmittel bei PCO - Welche sind sinnvoll?

Ich rate dringend davon ab zu viele Nahrungsergänzungsmittel in isolierter Form zu nehmen. Zum Beispiel auch wenn Vitamin C ein tolles Antioxidant ist, solltest du lieber auf Vitamin C reiche Früchte und Gemüse setzen, da unser Körper damit besser und schneller was anfangen kann als mit den isolierten (oft synthetischen) Stoffen.

Da bei PCO oft der Vitamin D Spiegel im "Keller" ist, macht die Einnahme Sinn, wenn vorab der Blutwert 25-Hydroxy-Vitamin-D bestimmt worden ist. Denn "einfach so" 1000 IE Vitamin D zu nehmen wird bei einem massiven Mangel nicht ausreichen.

Falls du zu selten Fisch isst oder gar vegan lebst, können Omega 3 Kapseln von guter (Bio-) Qualität sehr sinnvoll sein!

4. Amalgamsanierung der Zähne 

Da Amalgam Quecksilber enthält, was dein Immunsystem zusätzlich belastet und Amalgam die Progesteronsynthese hemmt, sollte bei einem guten Zahnarzt das Amalgam entfernt werden. Und danach sollte eine mindestens 4 wöchige Entgiftung folgen.

5. Bewegung

Warum Bewegung gut ist, brauch ich sicher nicht zu erwähnen, oder? Nein, du musst nicht mit Extremsport anfangen, sondern setze eher auf kleine regelmäßige Bewegung im Alltag. Lieber täglich 30min spazieren statt 1x in der Woche ins Fitnessstudio. Der regelmäßige sanfte Bewegungsreiz harmonisiert deine Stoffwechsellage besser als EIN intensiver Reiz.


Was solltest du beim Verdacht auf PCO testen lassen?

1. Vitamin D

Um herauszufinden, ob auch du einen „unterirdischen“ Vitamin D Spiegel hast, solltest du diesen Wert: 25-Hydroxy-Vitamin-D testen lassen und nicht auf Verdacht selbst anfangen hochdosiertes Vitamin D zu nehmen.

Bei PCO wird ein Wert über 50ng/ml angestrebt. Die Funktion von Vitamin D ist sehr komplex – einerseits steht der Mangel an Vitamin D mit im Verdacht PCO zu verursachen und aufrechtzuerhalten. Du brauchst Vitamin D aber auch für deine Zellkraftwerke, die Mitochondrien, für gute Eizellen, für die Insulin Synthese, als Entzündungshemmer und für ein gut funktionierendes Immunsystem.

2. Blutzuckerwerte

Hba1c: Dieser Wert zeigt, wie sehr deine roten Blutkörperchen mit Zucker „beladen und belastet“ sind. Die Zuckerlast wir dein rotes Blutkörperchen nicht wieder los und da es ca. 120 Tage lebt, zeigt der Wert die Blutzuckerkonzentration der letzten Wochen. Hba1c (5,7%-6% = Prädiabetes) anzustreben ist also ein Wert unter 5,7%.

Blutzucker nüchtern: 100-125mg/dl gilt als Prädiabetes, 70mg/dl sind normal.

HOMA: Das ist ein Index, der nach 12h Fasten (also morgens nüchtern) abgenommen wird und für Insulin nüchtern im Verhältnis zur nüchteren Glukosekonzentration steht. Ein HOMA-Index von 2,5-5 bedeutet: Insulinresistenz sehr wahrscheinlich!


3. Selen

Dieses Spurenelement brauchst du für eine gesunde Leberfunktion - deine Leber ist durch den Abbau des "Zuviels" an Hormonen belastet! Selen ist ebenfalls wichtig für die Schilddrüse und deine Haare. Dieser Wert wird oft vernachlässigt zu testen, gehört für mich aber dazu. Insbesondere wenn du Schilddrüsenhormone nimmst, die eine Selenaufnahme aus der Nahrung boykotieren.


4. Deine Geschlechtshormone LH, FSH, Östrogen und Progesteron aber auch die Androgene werden eh meist bestimmt, wenn du einen Kinderwunsch hast, daher gehe ich darauf nicht genauer ein.




Meine Güte, da ist ja nun doch einiges zusammengekommen. Aber wie oben gesagt: Mach ein Schritt nach dem anderen! Wenn du dabei Unterstützung brauchst, melde dich gern oder vereinbare einen individuellen Termin mit mir über mein Kontaktformular auf meiner Webseite Kinderwunsch in Berlin.


Herzlichst,

Deine

Kathrin Steinke




Eine gute Buchempfehlung zur Ernährung ist "Der Ernährungskompass"
Das Fazit aller wissenschaftlichen Studien zum Thema Ernährung mit den 12 wichtigsten Regeln der gesunden Ernährung. Bas Kast wertet eine Unmenge an Studien aus und stellt zusammen, was bisher wirklich belegt ist.

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